Unser Weg der Beikost

Wie alles began:

Nur wenige Monate nachdem Elias geboren wurde, kamen viele weitere Themen auf uns zu, bei denen wir absolut keinen Plan hatten. Fragen über Fragen. Eines der Themen, welches uns von Anfang an begleitet hat, war das Thema mit der Beikost.

Wann ist der perfekte Start?
Wie sollen wir das überhaupt angehen?

Die WHO empfiehlt 6 Monate voll zu stillen. Auf manchen Brei-Gläsern im Supermarkt steht ab dem 4. Lebensmonat. Der eine sagt dies, der andere wieder etwas anderes. Wie soll sich da noch jemand auskennen?

Durch Zufall stießen wir auf einen Artikel, der BLW erklärte. BLW = Baby Led Weaning – heißt so viel wie „vom Baby geführtes Abstillen/Entwöhnung der Pre-Milch“ und die Einführung von fester Kost ab Beginn der Beikostreife. Es heißt auch so viel wie Beikost nach Bedarf. Das Baby darf dabei selbst entscheiden was es Essen und vor allem wie viel es davon Essen möchte.

Unser Beginn:

Wir fanden den Artikel sehr interessant, konnten unseren kleinen Sonnenschein in vielen Passagen des Textes wiederfinden. Elias wollte schon immer alles selber machen und da war die Entscheidung für uns nicht sehr schwer. Somit entschieden wir uns für den BLW Weg – er darf entscheiden wieviel, wann und natürlich was er essen mag. Und noch dazu in seinem eigenen Tempo.

Begonnen hat für uns alles, als Elias knappe 6 Monate alt war. Benni hielt Elias auf einen seiner Arme. In der zweiten Hand hatte er ein leeres Weckerl, von welchem er genüsslich abgebissen hat. Zack – und schon war das Weckerl nicht mehr in Benni’s Hand, sondern in den Händen von Elias und im nächsten Moment war es auch schon zu seinem Mund gewandert. Von da an wussten wir, unser kleiner Sonnenschein ist höchstwahrscheinlich bereit für die Beikost.

Nachdem Elias die Beikostreifezeichen erfüllt hat, von denen wir leider nur auf Grund von dem Artikel bzw. dem gekauften Buch erfahren haben, ging es auch schon los. Obst und Gemüse in Form von Sticks (längere Pommes) stand am Beginn auf der Speisekarte. Das eine Mal aß er Süßkartoffel und das andere Mal rührte er sie gar nicht an. Er durfte immer selbst entscheiden, ob er dieses oder jenes essen mag oder nicht. Mittlerweile, seit dem er ca. 10 Monate ist, isst er auch wirklich alles, was wir essen. (Außer so Sachen wie Honig oder Schokolade ;))

Breifrei bzw. BLW

Wie oben schon erwähnt ist BLW ein babygeleitetes Abstillen/babygeleitete Entwöhnung der Muttermilch oder Pre-Nahrung. Es bedeutet außerdem, dass das Baby selber essen darf, dass es am Familientisch eine Auswahl an Nahrungsmittel bekommt und diese selbst auswählen darf. Es darf in seinem eigenen Tempo essen und darf aufhören wann es will.

BLW/Breifrei – schließt nur den klassischen Brei aus. Bei uns gibt es auch breiartige Konsistenzen wie Kartoffelpüree, Apfelmus oder Porridge zum Frühstück. Diese werden jedoch nicht gefüttert, sondern dem Baby wird ein Löffel bereitgestellt oder es nimmt die eigenen Hände um das Essen zu verzehren.

Einige Vorteile von BLW sind:

  • Essen am Familientisch
    Jeder kann zur gleichen Zeit essen, niemand muss sich mit dem Füttern des Kindes beschäftigen
  • Natürliches Sättigungsgefühl
    Das Baby kann auf sein natürliches Sättigungsgefühl hören indem es aufhören kann, wenn es möchte (mal ehrlich, kein Baby ist genau nach einem Gläschen satt)
  • Sicheres Essen (siehe Sicheres Essen mit BLW)
  • Freiwilliges Essen
    Das Baby darf entscheiden – was, wann und natürlich wie viel es essen möchte.
  • Sprachentwicklung
    Die Zungenmuskulatur wird trainiert – diese ist auch sehr wichtig für die Sprachentwicklung

Dies sind nur ein paar wenige Vorteile von BLW.

Nachteile von BLW:

  • Es ist eine unglaubliche Sauerei
    Naja, das ist wirklich der einzige Nachteil und ja, es ist wirklich eine riesen Schweinerei. Stellt euch vor ein Baby ist sein Kartoffelpüree alleine, ohne Hilfe. Da kann es schon mal ein bisschen dreckig werden. Manchmal kommt es uns so vor, als ob man an manchen Tagen vom putzen gar nicht mehr raus kommt. Kind, Sessel, Tisch, Boden – alles muss öfter am Tag geputzt werden, aber wir würden unsere Entscheidung genau wieder so treffen.
Reis und verschiedenes Gemüse

Sicheres Essen mit BLW geht das?

Auch wir haben uns diese Frage gestellt und mittlerweile können wir euch sagen, JA das geht.
Genauso wie Babys lernen, zu greifen, zu krabbeln oder zu laufen, ist es auch zu einer bestimmten Zeit bereit, richtig kauen und schlucken zu lernen. Vor allem, sich nicht zu verschlucken.

Das sehr frühe heranführen an feste Nahrungsmittel stellt einen wirksamen Schutz dagegen dar. Zu Beginn wird nämlich der Würgreflex noch sehr weit vorne im Mundraum ausgelöst, dass zu große Stücke selten so weit zurück geraten, um in die Luftröhre zu gelangen. Je älter das Baby wird, um so weiter wandert dieser Punkt nach hinten. Ein BLW-Baby weiß bis dahin längst, wie es mit der Zunge umgehen muss, um zu verhindern, dass zu große Brocken in die Luftröhre gelangen.

Beikostreifezeichen:

Diese Reifezeichen gelten für alle Babys, egal ob groß oder klein, ob diese Brei oder feste Nahrung (BLW) bekommen. Das Alter vom Baby ist dabei kein Reifezeichen, wie vielfach fälschlich angenommen wird.

Die drei grundlegenden Reifezeichen, dass das Baby bereit für die Beikost ist, sind:

  • 1.) Das Baby kann aufrecht sitzen (mit leichter bzw. wenig Unterstützung wie z.B. auf dem Schoß)
  • 2.) Der Zungenstoßreflex ist verschwunden (Zungenstoßreflex = das Baby schiebt alles mit der Zunge weg z.B. Schnuller oder auch Essen – dies ist ein Schutzreflex des Körpers und dieser sorgt dafür, dass das Baby nichts zu Essen bekommt, weil es noch nicht bereit ist.)
  • 3.) Hand-Augen-Mund Koordination (Baby sieht das Essen, greift gezielt danach und führt es zum Mund)

    Wenn diese Reifezeichen erfüllt sind, ist auch der Magen und der Darm bereit für die Beikost. Die Nahrung kann besser verdaut, und die Nähstoffe besser aufgenommen werden und das Baby hat auch meistens kein Bauchweh. Das ist nämlich eine der großen Gefahren, wenn man zu früh mit der Beikost beginnt, dass das Verdauungssystem des Babys noch nicht bereit dazu ist.

    Darum sind die Altersangaben unserer Meinung nach etwas zu überdenken, da sich ein jedes Kind im eigenen Tempo entwickelt. Das eine Baby wird mit 5 Monaten die Beikostreifezeichen erfüllen und das andere vielleicht erst mit 7.
Frühstück

Warum wir das mit euch teilen?

Wir sind gerne offen für neues und dankbar über die vielen verschiedenen Sichtweisen. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, nicht nur zufällig über das Thema BLW zu stolpern, sondern auch von bestimmten Einrichtungen wie z.B. Kinderarzt oder sonstigem mehr zu diesem Thema erfahren. Das einzige was uns zum Thema Beikost erzählt wurde war, dass wir mit dem 4. Lebensmonat von Elias starten können und spätestens, nachdem er ein halbes Jahr alt ist angefangen haben müssen.

Wenn wir heute diesen Satz lesen, müssen wir leicht schmunzeln. Soll ein Kind, welches, aus welchem Grund auch immer noch nicht bereit für die Beikost ist, vollgestopft werden? Sollen sich die Eltern stressen, weil das Kind die Beikostreifezeichen noch nicht erfüllt aber schon älter als 6 Monate alt ist? Wir wissen ja nicht wie es euch dabei geht, wenn ihr diese Sätze durchlest, aber für uns hört sich das alles ein bisschen nach Theorie an, wo wenig bis gar keine Praxis dahinter steckt.

Unser Anliegen ist es, Menschen zu erreichen. Frisch gebackene Eltern, denen es so geht, wie es uns ergangen ist. Die sich vielleicht auch die Fragen stellen… wann? wie? was? Egal ob Brei oder Breifrei, es sollen alle Eltern von den Reifezeichen erfahren und nicht durch Zufall darüber „stolpern“.

Unser Tipp: Einfach keinen Stress machen, es kommt alles von ganz alleine. Ein Satz der uns dabei geprägt hat: Es heißt „Beikost“ und nicht „Anstattkost“. Es geht nicht darum so schnell wie möglich eine Still- oder Flaschenmahlzeit zu ersetzen. Vielmehr geht es darum auf die Bedürfnisse unserer Babys zu hören und diese zuzulassen, egal ob Brei oder Breifrei.

Für Fragen oder sonstige Anliegen stehen wir euch natürlich gerne zur Verfügung.

Alles Liebe
Tanja & Benjamin